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Der Software-Krieg ist vorbei?

Ich möchte an dieser Stelle mal meine Meinung zu diesem Artikel vom ZDnet.com kundtun.

Es geht im wesentlichen darum, das behauptet wird, Linux 2015 habe den Software Krieg gewonnen. Das sich alle “großen” (gemeint sind vor allem Microsoft und Apple) der freien Software geöffnet haben und nun auf diesem Wege Teil der Open Source Community geworden sind. Das ist jetzt brutal simpel und verkürzt dargestellt, aber ich habe ja auf den Artikel gelinked, damit jeder selbst lesen kann um was es geht.

Welcher Krieg ist denn vorbei?

Es stimmt schon, zu Zeiten von Ballmer und Gates bei Microsoft hatte man eher das Gefühl, das es sich um einen Krieg handelt. Linux wurde damals schonmal gern als “Krebsgeschwür” bezeichnet und der Ton war deutlich rauher, als heute. Aber das ist ja nun auch schon ein paar Jahre her. Aus heutiger Sicht kann ich die Reaktionen der Herren aus Redmond sogar verstehen. Ich meine da kommen so Typen daher, erzählen was von Community und freier Software und verhageln dabei ganz nebenbei das Geschäftsmodell von Microsoft. Bis heute knabbert niemand bei Microsoft am Hungertuch was deutlich zeigt, das jeder seinen Platz gefunden hat. Apple gibt Swift als Open Source raus. Das ist nett von ihnen, aber ist das jetzt auch die Sensation? Muss man sich jetzt als Gewinner fühlen, nur weil die großen Firmen das Entdecken, was jeder Linux User schon seit Jahren weiss? Tut mir leid ZDnet, aber einen Krieg hat es nicht gegeben. Es war nur ein weiteres System, das seinen Platz auf dem Markt gefordert  und ihn nun bekommen hat. Noch dazu denke ich, das der Desktop das entscheidende Kriterium ist und wie es dort aussieht, habe ich in einem anderen Artikel beschrieben. Aber auch dort geschieht was. Der nächste Linux Presentation Day findet am 30.4.2016 statt. Und diesmal nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es wird Veranstaltungen in Frankreich, Italien und sonstwo geben. Das ist eine Entwicklung die so nicht zu erwarten war. Dort wird um die Gunst auf dem Desktop gerungen und bei es gibt immer mehr User die entdecken, wie einfach Linux ist. Die Zahl der Nutzer wächst und das ist doch ein schönes Statement für freie Software.

Mein Weg zu Linux

Als ich mich für Linux entschieden habe, ging es mir am Anfang ganz sicher nicht darum in einen Krieg gegen die Software Giganten zu ziehen. Obwohl ich zugeben muss, das ich speziell in den ersten Monaten ein stärkeres Sendungsbewusstsein hatte und der Meinung war, ich müsste jeden vom “wahren Weg” überzeugen. Das liess schnell wieder nach und ich begann mich auf die Sachen zu konzentrieren, wegen denen freie Software meiner Meinung nach im Vorteil war.  Ich erfreute mich an der Software Vielfalt, oftmals an der simplen Bedienung. Vor allem waren es aber die Probleme, die mich reizten. In den ersten Jahren war es normal, das im Haus überall Rechner (und zwar die hässlichen Grauen) rumstanden. Die brauchten, um Mail zu machen,  einen Server. Der musste sich alleine Einwählen (es gab keine Flatrate) um die Mail zu holen. Das machte man meist Nachts, weil es dann billiger war, falls mal was daneben ging. Sendmail war schon damals ein Monster in Sachen Konfiguration, aber genau da lag der Reiz. Es machte Spaß sich die Tage und Nächte um die Ohren zu hauen nur um am Ende zu bemerken, das die Einwähltöne des Modems in der Nacht noch viel mehr nervten als am Tag.

Ausserdem hatte man was geschafft. Man war der Meinung “am System” zu wachsen. Heute ist es mir fast egal, wer welches System nutzt, ich Missioniere nicht mehr ungefragt. Es gibt überall schlaue Köppenguin-161418_1280fe, die mit dem OS, das sie bevorzugen, geradezu magisch umgehen können. Und genau darum soll es doch gehen. Linux ist für viele Sachen bei mir die Nummer 1. Ich hätte keinen Bock, dieselben Sachen auf einem Mac oder einem Windows Rechner zu machen, weil ich unter Linux einfach weiss, das ich es schnell fertig bekomme. Deswegen liebe ich es so. Man schafft auch nach 15 Jahren noch etwas und findet immer wieder Sachen die neu sind.

Das Ende vom Lied

Seit einiger Zeit steckt in der gesamten IT Szene viel Liebe.  Jeder mag jeden und keiner will mehr der Böse sein. Das Firmen nach wie vor Geschäfte machen und das die Open Source Welt ihnen immer wieder zeigt, das es auch anders geht, ist ein Lernprozess, den die auch noch durchlaufen werden. Geld entsteht nicht automatisch aus Patentklagen. Aber das muss man halt lernen.

Deswegen finde ich es ist gut, wie es ist. Lasst uns die Streitaxt parken und lasst uns auf das konzentrieren, was für uns wichtig ist. Für mich ist es die Freiheit der Software, die Freiheit mit meinem Gerät machen zu können was ich will und die Freiheit alles so anzupassen, wie ich es brauche. Wer übrigens doch noch Bock hat mit der Axt loszuziehen, auf dem 32C3 wurden gerade die zweiten Crypto Wars ausgerufen. Das ist allerdings ein echter Kampf….

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Warum Linux es noch nicht auf den Desktop geschafft hat

Linux im Jahr 2015, der Durchbruch auf dem Desktop wurde schon einige Jahre zuvor von diversen Medien propagiert, aber geschehen ist es nie. Klar Linux ist in den letzten Jahren gewachsen, einfacher geworden und eigentlich bereit einem ganz normalen Nutzer alles zu bieten, was dieser haben möchte. Die Installation ist keine große Hürde mehr. Das System kommt mit allen Vorzügen die einem den Alltag erleichtern. Unter Windows 7 fällt es mir immer noch schwerer mein WiFi einzurichten als unter Ubuntu, wo das ganze während der Installation quasi im vorbeigehen passiert. Als Nutzer, der seine erste Version (damals SuSe Linux) ungefähr 1996 installiert hat, kratzt man sich am Kopf und fragt sich was das Problem mit Linux sein könnte.

Wenn ich auf die aktuellen Statistiken von Juli 2015 schaue, dann hat Linux weltweit eine Verbreitung von 1,53%. Der Mac liegt bei 7,31% und Windows liegt immerhin noch bei 91,16% (Quelle). Das sind Zahlen die alle für den Desktop gelten. Im Serverbereich sieht es ganz anders aus, da führt Linux klar und seit Jahren die Ranglisten an. Ähnlich dem Supercomputer Bereich wo schon fast Fantasiezahlen von 96 % und mehr erreicht werden. (Quelle)

Aus meiner Sicht besteht das Problem aus 2 Strängen, die es zu lösen gilt. Das eine ist die Vielfalt, die den Nutzer erst erschlägt, dann verwirrt und ihn letztendlich zum Aufgeben verleitet. Das andere ist sagenhaft schlechte Promotion und auch wenn sich dass in den letzten Jahren gebessert hat, ist es immer noch nicht so wie es sein muss.

Zur Vielfalt : Wie oft konnte man in so ziemlich jedem Linux Forum schon die Antwort “Es gibt nur 1 Linux, was Du meinst sind Distributionen” lesen. Die Frage dazu drehte sich meist um “Ich würde gern Linux einsetzen, weiss aber nicht welches ?” Leute die viel auf Foren unterwegs sind werden jetzt eifrig mit dem Kopf nicken. Auf die Antworten, die weniger provokant auf eine solche Frage antworten helfen dem Fragenden nur selten weiter. Da kommen so Sachen wie “je nach Geschmack” – “Was willste denn damit machen ?” – “egal, aber es muss Dir gefallen”.

Damit möchte ich auf gar keinen Fall die Foren Szene kritisieren oder die Leute die eine Frage wie die aus dem Beispiel schon 534 mal beantwortet haben. Es soll nur deutlich machen, vor welchem Problem jemand steht, der anfängt sich mit Linux zu beschäftigen. Man möchte dann in so einem Fall einfach einen Packen mit Live – Systemen anreichen und sagen : “Hier hast Du, schau sie dir alle an, nimm die Distribution mit der Du am besten klar kommst” (oder deine Hardware :-)) Von Einsteiger Seite verstehe ich auch, das man einfach keinen Bock hat sich mal eben 3 oder 4 Distributionen zu ziehen nur um “mal rein zu schauen”.  Von daher wäre es doch angenehm, wenn man frei von jeden Idealismus auf Distro Watch verweisen würde. Dort gibt es eine Rangliste mit den am häufigsten geladenen Distributionen. Nimm Platz 1 oder 2, kann nicht so schwer sein, denn es entspricht offensichtlich dem “Linux Massengeschmack”. Klar würde man es sich damit auch sehr einfach machen, aber der Nutzer, der fragt hat eine klare Antwort und erstmal etwas womit er arbeiten kann. Trotz allem stolpern Szene Neulinge aber immer wieder in die Falle, das sie zwar von Windows weg wollen, aber nicht genau definieren können, was sie stattdessen überhaupt wollen. Da fangen dann die Probleme in der Community an, denn nur zu sagen “das will ich nicht” ohne zu wissen was man will ist vielen in der Linux Szene nicht geläufig. Da ist man es gewohnt sich schon im Vorfeld Gedanken zu machen, was man mit seinem System anfangen will oder wie es auszusehen und zu arbeiten hat. Von daher ist das erstmal nicht zu 100% kompatibel. Wenn ich hier übrigens eine komplette Lösung für beide Probleme hätte, dann wäre würde ich damit auf Vortragsreise gehen. Habe ich nicht, möchte aber die Diskussion zu diesen Themen fördern.

Das zweite Problem, das ich ein wenig übertrieben als “sagenhaft schlecht” bezeichnet habe ist die Promotion, die Werbung für Linux. Erinnert sich noch jemand, als der Windows XP support eingestellt wurde ? Es gab, glaube ich kaum ein Magazin, das auf der Titelseite nicht darüber geschrieben hat, das es der optimale Zeitpunkt wäre auf Linux umzusteigen. Der war es auch ! Der optimale Zeitpunkt ist eigentlich jeden Tag aufs neue, aber wie viele User haben davon gebrauch gemacht ? In meinem Umfeld kann ich das ziemlich genau mit 0 beziffern. Aber was ist dann der Stelle das Problem ? Da bin ich ehrlich gesagt noch ratloser, als bei der Sache mit den Distributionen. Hat Linux immer noch den Ruf des “Freak-Systems” ? Ich habe gestern erst einen Artikel gelesen, der die Vorteile von Linux zwar ganz passabel verkaufte, am Ende aber doch darauf hinwies, das man sich durch die ein oder andere .config arbeiten müsste. Totaler Quatsch…klar kann man das machen, aber seit einigen Jahren ist das total überholt. Zumindest für die, die sich nicht da durch wühlen wollen. Und ich glaube genau diese kleinen Nadelstiche sind es, die den Einsteiger abschrecken. “Da muss man noch..” – “Da sollte man vorsichtig sein…” und so weiter. Wenn ich so einen Artikel lese, der dann auch noch mit überholten Klischees arbeitet, frage ich mich ob es wirklich die Intention des Journalisten war, dem Leser Linux näher zu bringen. Ein neuer Ansatz, den ich sehr vielversprechend finde ist der Linux Presentation Day. Dabei soll Linux für den Nutzer präsentiert werden. Also keine Zauberei auf der Shell und auch sonst keine Magie 🙂 Werbung für das System ist das beste was man machen kann und dem User die Angst davor zu nehmen, indem er direkt probieren und fragen stellen kann ist ein Weg, der das Image vom Freak System schnell in Luft auflöst.

Was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, da sind der Fantasie  kaum Grenzen gesetzt. Allerdings hat man das Gefühl, das viele LUG´s sich ein wenig in ihre Ecke zurück gezogen haben und dort für sich hinwirken. Ich hoffe wie gesagt darauf das der LPD ein Erfolg wird und es viele neue User gibt, die dann auch den sozialen Aspekt hinter Linux erkennen und die Treffen der LUG´s besuchen.

Was habt ihr noch für Ideen, was könnte man noch machen um Linux bei ganz normalen Nutzern auf den Desktop zu bringen ??

 

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Neue Nebentätigkeit bei WPVision.de

Hallo Freunde,

der Living Linux Cast läuft gut und das ist nicht zuletzt euer Verdienst. Da ich auch immer wieder über den Tellerrand hinaus schaue, möchte ich heute mitteilen, das ich nach harten, geradezu brutalen Verhandlungen das Windows Portal WPVision.de mit Artikeln und natürlich einem Podcast unterstützen werde. Auf den Ablauf bei Living Linux soll das ganze aber keinen Einfluss haben. Ich werde natürlich in gewohnt verschlafener Weise weitermachen und hoffe ihr habt vielleicht auch mal Bock euch meine anderen Sachen anzuhören, auch wenn es..naja Windows ist. Ihr versteht schon. Aber ich habe Bock drauf und freu mich auf die Zusammenarbeit mit WPVision.de

Habt Spaß am Gerät, wir hören uns,

Michael Wehram

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